Gmüesabau

Tomaten Sorte Babuschka
Tomaten Sorte Babuschka

 

Da wir leidenschaftliche Gemüse Esser sind und uns neben den herkömmlichen bekannten Gemüse auch die alten und eher unbekannten Sorten interessieren, bin ich jedes Jahr dabei, Neues auszuprobieren. Seit unseren Anfängen hier im Bärengraben, in einem Garten der seit Jahren nicht mehr genutzt wurde und den ich buchstäblich auf den Knien von wuchernden Himbeer- und Brombeerranken befreit habe, bis zu den jährlich wachsenden Flächen die wir aus normalem Wiesland gewonnen haben, sind nun schon 4 Anbau Saisons vergangen. Ich habe diverse Fehlschläge im Anbau entgegen nehmen müssen, aber auch immer mehr Erfolge und Freude an dem gewinnen dürfen, was wächst und gedeiht.

Unser primäres Ziel war ursprünglich, einen hohen Selbstversorgungsgrad zu erreichen. Dadurch, dass wir die Flächen pachten konnten, die wir nun seit 2015 bewirtschaften, hatten wir die Möglichkeit unsere Anbaufläche für Gemüse auszudehnen. Um hier auf 700 m am Nordhang etwas unabhängiger von der Witterung zu sein, bzw. die Saison etwas verlängern zu können, haben wir uns einen Folientunnel angeschafft. Das Glück wollte es, dass wir im Internet einen neuen Tunnel erstehen konnten, der anderswo gekauft aber nicht gebraucht wurde. 20 m x 5.50 m und in der Höhe 2.30. Dies hat die Möglichkeit des Anbaues hier im Bärengraben noch um einiges erweitert. Tomaten, Gurken, Peperoni und Auberginen fühlen sich ausgesprochen wohl darin. Auch meine Stangenbohnen werden hier kultiviert. Da wir hier starke Winde bis starke Stürme auch im Sommer haben, ist der Anbau von Stangenbohnen etwas kritisch. Die ersten im alten Garten musste ich mit Sturmleinen befestigen… Durch die Ausdehnung der Anbaufläche, war es auch möglich, unsere Verpächter mit Gemüse zu versorgen. Wöchentlich bekommen sie in der Sommerzeit ihr Gemüse geliefert.

 

Unser Gartenjahr 2018

Das Jahr 2018 begann nicht nur für uns mit einem Tiefschlag. Der Sturm Brunhilde fegte in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar über das Land und hinterliess überall grössere und kleinere Schäden. Dächer wurden abgedeckt, Treibhäuser beschädigt und auch im Wald hinterliess Brunhilde ihre Spuren. Siehe Bilder  hier.

 

Unwetter

Neuanfang

Das Aufräumen begann und wir haben uns nach einem neuen Tunnel umgesehen. Zum Glück haben wir eine gute Versicherung und die Aufnahme des Schadens und vor allem auch die Entschädigung ist ohne Probleme von statten gegangen. Fündig wurden wir bei der Firma GVZ-Rossat AG, die Profi Folientunnels anbieten, die auch gröberen Winden standhalten sollten. Da sehr viele Profi Gemüse Betriebe von dem starken Sturm betroffen waren, dauerte es einige Zeit bis die Offerte eintraf und noch länger bis der neue Folientunnel geliefert werden konnte. Auch war das erste halbe Jahr geprägt von dauerndem Regen und schwerem regennassen Boden, den man nicht gut bearbeiten konnte. Endlich wurden die Tage wärmer, die Nachbarn hatten Mitte Mai schon das erste Gras geschnitten, die Beete konnten vorbereitet werden und am 31. Mai  2018 wurde der neue Tunnel gestellt. Mit vereinten Kräften von Familie und Nachbarn und einem super guten Mitarbeiter von GVZ-Rossat haben wir die Herausforderung der Zusammenstellung von hunderten von Teilen und Schrauben in 1 ½ Tagen gepackt.

 

 

Der Wettlauf mit der Zeit begann. Meine Tomatensetzlinge die im Wintergarten immer weiter gewachsen waren warteten sehnsüchtig, in die Erde gebracht zu werden. Die Peperoni Setzlinge waren in der Zwischenzeit Opfer von Läusen geworden und wurden unserem Misthaufen übergeben. Die ganze Inneneinrichtung vom Tunnel musste noch angebracht werden, d.h. die Längsdrähte damit die Tomaten, Gurken und Bohnen hochgespannt werden konnten. Alles brauchte Zeit und auch die aussen Beete wollten bearbeitet, angesät oder bepflanzt werden. Irgendwie haben wir es geschafft und schlussendlich war alles im Boden was ich mir ungefähr vorgestellt hatte. Die Setzlinge die ich nicht mehr selber ziehen konnte habe ich in der Spezialgärtnerei für Pro Specie Rara Pflanzen in Ruswil in der Homatt eingekauft oder im Wauwiler Moos. So war das Gartenjahr doch gerettet.

 

Am 20. Juni war auch bei uns die Heuernte im vollem Gange und die ersten Gemüse im Garten waren erntereif. Die Kulturen waren alle am Wachsen, dass einem das Herz aufging. Was allerdings auch stark am Wachsen war, das war die Population der Schnecken. Schnecken einsammeln gehörte zum Tagesprogramm. Auch die Homöopathische Behandlung gegen die lästigen und gefrässigen braunen Dinger war nicht eben wirksam.

 

Trockensommer

Was danach kam, wird wohl vor allem bei uns Bauern als der Trockensommer des Jahrhunderts eingehen. Die Sonne schien, das war wunderbar, es wurde immer heisser und es regnete nicht. Oder wenn, dann ein paar Millimeter. Bei weitem nicht das was alle Kulturen brauchten. Wir installierten im Tunnel die speziellen Gartenschläuche mit Berieselung und Heinz füllte alle Tage die Feldspritze um zusätzlich unsere Beeren und die Beete spritzen zu können. Um halb 6 Uhr in der Früh waren wir bereits im Garten um unser Gemüse in der kühleren Tageszeit wässern zu können. Alle zwei Tage bekamen alle Beete ihre Wasser Ration. Aber trotzdem hatten vor allem die Karotten Mühe mit dem Wachstum. Es war ihnen schlichtweg zu heiss. Unseren Südländern hat es gefallen im Folientunnel. Dank der speziellen Folie und der guten Lüftung war es auch nicht saunamässig wie im alten Tunnel. Aber allen anderen Kulturen „stöhnten“ unter den herrschenden Wetterbedingungen. Die Ernte bestätige unseren Eindruck. Salate „schossen“ in die Höhe bevor sie Köpfe bilden konnten, Bohnen bildeten Samen bevor sie ganz ausgewachsen waren, die Karotten fühlten sich an wie Papier wenn wir sie aus dem Boden zogen – wenn sie sich überhaupt rausziehen liesse, so trocken war es trotzt Bewässerung – und von den Kartoffeln haben wir nur die Hälfte der Menge vom Vorjahr geerntet. Aber Tomaten, ja Tomaten hatten wir im Überfluss. Jetzt wo ich diesen Text ins Netz stelle, es ist der 9. Oktober 2018, hängen die Stauden immer noch voll.

Wir hier auf der Nordseite danken Mutter Erde von ganzem Herzen, dass sie uns mit zwei Quellen beschenkt hat, die auch diesem Sommer nie ausgetrocknet sind. Anders sieht es auf der anderen Talseite aus. Unser Nachbar hatte eine sehr schlechte Heuernte, da einfach zu wenig Futter gewachsen ist. Zusätzlich hat er auf der Südseite das Problem, dass nach dem Heuen, kein Gras mehr nachgewachsen ist. Die Wiesen und Weiden lagen braun und trocken da, dass man meinte man sei in Italien. Das hiess, schon viel zu früh, mit dem Füttern im Stall beginnen, da die Kühe auf der Weide nichts mehr zu fressen hatten. Auch sind im Gegensatz zu uns, bei ihm die Quellen versiegt, wie das auch vielen anderen Bauern geschehen ist. Der zusätzliche Aufwand um die entsprechenden Wassermengen täglich zu holen, kam noch zu allen anderen Sorgen.

 

 

Erntezeit

Unsere Babuschkas, eine Sorte von Bio Zollinger, wurde so schwer, dass ich sie alle einzeln Aufhängen musste, dass die Ranke nicht heruntergerissen wurde. Die gelbe von Thun, eine PSR Sorte von Sativa-Rheinau hatte so schwere Trauben, dass auch diese speziell angebunden werden mussten. Alle Sorten haben so überreichlich getragen, dass ich viele Stunden damit verbracht habe, Tomaten auszugeizen oder aufzubinden. Auch die PSR Sorte die wir dieses Jahr zum ersten Mal angebaut haben, hat uns total überrascht. Grosse, viele Früchte von der weissen bzw. milchig farbigen Milchperle. So aromatisch, das hätten wir nie gedacht. Auch die Oranges a gros fruits, unsere Lieblings Tomatensorte, ganz in Orange und reich an Geschmack, einfach Himmlisch hat viele, viele Früchte getragen. Wir hatten einen richtigen Tomaten Segen. Die schwerste Babuschka Tomate die ich gewogen habe, brachte sage und schreibe 1,3 kg auf die Waage.